Beim Symposium zur Zukunft des Sangiovese auf dem Weingut Petra wurde die Bedeutung der Rebsorte für Italien diskutiert und gewürdigt
SUVERETO Am 4. Dezember kamen gut 165 Produzenten, Wissenschaftler, Sommeliers und Journalisten auf dem Weingut Petra in der Maremma zusammen, um über die Zukunft des Sangiovese zu diskutieren. In einer einmaligen Probe, geleitet und kommentiert von Daniele Cernili (Gambero Rosso) wurde mit zwölf Spitzensangiovese eine Bestandsaufnahme gemacht und folgendes Fazit gezogen: Der Sangiovese der Zukunft ist wieder erkennbar und dabei doch sehr unterschiedlich.
Das Weingut Petra, auf dem seit 1997 hochwertige Weine aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Sangiovese erzeugt werden, war in diesem Jahr Schauplatz einer önologisch historischen Konferenz. Am Freitag, 4. Dezember 2009, kamen gut 165 Experten aus allen Bereichen der Weinwelt zusammen, um die Vorträge von acht Wissenschaftlern, Winzern und Journalisten zu hören und angeregt über den Sangiovese, seinen Einfluss auf die Landschaft und den Menschen und über seine Zukunft zu diskutieren. Giacomo Mojoli vom Politechnikum in Mailand gab eine Einführung zum Thema Sangiovese und zur These von der Differenz in Gleichheit. Professor Attilio Scienza von der Universität Mailand erläuterte die historischen Ursprünge des Sangiovese und erklärte damit auch die Vielzahl an differenten Klonen, die heute existieren. Weitere Wissenschaftler und Produzenten rundeten das Bild mit Vorträgen zu unterschiedlichen Teilaspekten ab. Marco Mancini, Bioklimatologe der Universität Florenz, gab einen Blick in die Zukunft und Paul White, weitgereister Journalist, warf einen Blick von außerhalb auf autochthone Rebsorten im Allgemeinen und Sangiovese im Besonderen.
Mit diesem multidisziplinären Ansatz wurde der Sangiovese von allen Seiten beleuchtet, um sein Wesen und seine Zukunftsfähigkeit zu bewerten und ihr näher zu kommen. In einer angeregten Diskussion im Anschluss wurde von Giacomo Moioli ein erstes Fazit gezogen. „Der Sangiovese ist ein Wein, der auch bei den Verbrauchern und auf den Märkten der Zukunft bestehen kann, weil er so unterschiedlich ist und weil er äußerst individuell und lebendig Herkunft und Machart transportiert und zeigt.“ Diese These untermauerte auch die Probe mit zwölf völlig unterschiedlichen und einzigartigen Spitzensangiovese aus dem Jahr 2006 der folgenden Weingüter, die trotz aller Unterschiede ganz einfach typisch Sangiovese waren und sind:
Brunello di Montalcino “La Fuga” von Giovanni Folonari, “Cepparello” von Isole e Olena, der “Fontalloro” von Felsina, “Il Cavaliere” von Michele Satta, der “Lombrone” von Colle Massari, “Nocio dei Boscarelli” von Boscarelli, der “Pergole Torte” von Montevertine, der “Poggio Valente” von der Fattoria le Pupille, der “Principe Guerriero” von Pagani de Marchi, der Sangiovese vom Weingut Petra, der “Santa Marta” von Salustri und der “Sassontino” vom Weingut Casanova della Spinetta.
In der kommentierten Probe mit Daniele Cernili, dem Chefredakteur des Gambero Rosso, wurde klar, dass die Zukunft des Sangiovese in seinen Differenzierungen liegt. Gleich und doch verschieden – das ist die Zukunft eines der italienischsten und größten Weine Italiens. So konnte es bei dieser denkwürdigen Probe auch keinen Gewinner geben, sondern zwölf gleichrangige große Persönlichkeiten und damit Ausdruckweisen des Sangiovese.
Petra – Drei Interpretationen eines Terroirs
In Zusammenarbeit mit dem aus dem Pomérol stammenden Önologen Pascal Chatonnet ist Vittorio Morettis Tochter Francesca, eine promovierte Önologin, für die Weinerzeugung auf Petra verantwortlich: „Mit Petra möchten wir die einzigartige Landschaft, das Klima und die besondere Atmosphäre der Maremma einfangen und Weinliebhabern in Italien und der ganzen Welt nahe bringen“, beschreibt sie ihr Ziel. Die Weinbereitung ist folglich dahingehend ausgerichtet, die Terroir-Merkmale zu schützen. Drei unterschiedliche Bodentypen in zwölf verschiedenen, genau definierten Bodeneinheiten werden bei Petra bewirtschaftet.
Cabernet Sauvignon und Merlot sind die Trauben, aus denen der Petra (Cuvée aus beiden Rebsorten) und der Quercegobbe (reiner Merlot) gemacht werden. Dazu kommt seit diesem Jahr ein reinsortiger Sangiovese, der anlässlich des Symposiums zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Mittels intensiver Bodenuntersuchungen und Lagenklassifizierungen wurden für jede der drei Rebsorten die am besten geeigneten Lagen ermittelt.
Der Petra vereint geschmacklich das „Balsamische“ des Mittelmeers und die Mineralität der Toskana. Der Quercegobbe, ein hundertprozentiger Merlot, ist ein kraftvoller und zugleich eleganter und mineralischer Wein, der das Wesen der Maremma in sich trägt. Der Sangiovese ist die italienischste Interpretation dieses Terroir-Trios. Die natürliche Säure, die durch die salzhaltigen Böden hervorgehoben wird, ist ein unerlässlicher Bestandteil für diese Weine, die sich über die starke Beziehung zwischen Persönlichkeit und Boden charakterisieren.
Gut 300 Hektar Land gehören zum Weingut. Neben Wäldern und Olivenhainen wird auf 95 Hektar Wein angebaut. Die Produktion liegt derzeit bei 260.000 Flaschen pro Jahr. Die Kapazität wird jedoch weiter ausgebaut und soll in einigen Jahren 500.000 Flaschen erreichen.
Petra erzeugt neben den verschiedenen Rotweinen aus Sangiovese, Merlot und Cabernet Sauvignon noch den Ebo (eine Cuvée aus Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Merlot) sowie einen Süßwein und ein Olivenöl aus autochthonen Olivensorten.
Terra Moretti
Die Unternehmerpersönlichkeit Vittorio Moretti gründete im Jahr 1967 das erste Unternehmen im Bausektor. Später kamen Projekte im Weinbau, Schiffsbau und in der Hotellerie hinzu. 1996 wuchsen die verschiedenen Firmen zu einer Holding zusammen. Der Sitz der Unternehmensgruppe befindet sich in Erbusco in der Region Franciacorta. Im Baubereich ist die Gruppe Moretti Industria delle Costruzioni mit den Firmen Moretti Prefabbricati, Moretti Interholz, Moretti Contract und Moretti Real Estate tätig. Schiffsbau betreibt die zur Gruppe gehörende Werft Maxi Dolphin. Die vier Weingüter – Bellavista und Contadi Castaldi in der Franciacorta sowie Petra und Tenuta La Badiola in der Maremma – sind ein bedeutender Bestandteil der heutigen Terra Moretti Holding. Die Weine der vier Weingüter sind in Deutschland über den Vertriebspartner Segnitz erhältlich. Das Relais & Châteaux Hotel L’Albereta ist an das Weingut Bellavista angegliedert. Das Luxushotel L’Andana befindet sich auf dem Weingut Tenuta La Badiola in der Toskana.
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